„Fort Knox.“ So nennen viele Dorfbewohner das umzäunte Haus, in dem es am Dienstagmorgen kurz nach vier Uhr zu einem Zwischenfall kommt. Auf Überwachungsaufnahmen ist zu sehen, wie etwa 30 Männer, teilweise bewaffnet, auf das Anwesen am Ewijkseweg in Overasselt bei Nimwegen in den Niederlanden, 18 Kilometer von Kranenburg entfernt, zumarschieren. Es sind Schüsse zu hören.

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„Ich habe bestimmt 30 Schüsse gehört“, sagt jemand, der etwas weiter entfernt wohnt. Aus Angst vor den Tätern möchte er anonym bleiben, wie die meisten Menschen in dieser Geschichte.

Wachmann stirbt im Kugelhagel – Bewohner bleiben unverletzt

Die Bewohner bleiben unverletzt. Doch im Kugelhagel kommt ein Wachmann einer kleinen privaten Sicherheitsfirma ums Leben. „Er saß erst seit ein paar Abenden dort in seinem schwarzen BMW vor dem Haus“, sagt ein anderer Anwohner. Er kommt zu dem Schluss: „Die Bewohner müssen gespürt haben, dass etwas passieren würde.“

Wer ist „Bolle Jos“?

Niederländischen Medienberichten zufolge stand der Vorfall vermutlich in Zusammenhang mit dem verurteilten Drogenhändler Jos Leijdekkers, auch bekannt als „Bolle Jos“. Der 34-jährige gilt als einer der mächtigsten Drogenkriminellen Europas. Er soll sich Berichten zufolge in Sierra Leone aufhalten und in einer Beziehung mit der Tochter von Präsident Julius Maada Bio stehen.

Der niederländische Justizminister David van Weel verurteilte die „entsetzliche Gewalttat“ im Onlinedienst X. „Wir werden diese Gewalt nicht tolerieren“, erklärte er. (afp/dpa)

Ob das stimmt, wird sich später zeigen, aber eines ist laut den Anwohnern sicher: Das umzäunte Haus war kein zufälliges Ziel. „Schon seit 2019, als nach einer Explosion ein Drogenlabor auf diesem Grundstück entdeckt wurde, häufen sich hier die Vorfälle“, sagt jemand, der dahinter wohnt.

Beschuss und Drohungen: Familie muss mehrfach Schutz suchen

Drohungen, ein Feuerwerksangriff, Beschuss. Er schüttelt den Kopf. „Man kann das Haus wahrscheinlich schon vom Mond aus sehen, so hell ist dieses Gebäude abends beleuchtet. Und überall hängen Kameras. Wenn man durch das Tor geht, gelangt man zuerst in eine Schleuse und dann zum nächsten Tor.“

Schüsse in niederländischem Dorf
Im niederländischen Overasselt gab es mehrere Festnahmen.© Presseagentur Heitink/ANP/dpa | Avcam

Schon mehrmals musste die Familie auf Anordnung des Bürgermeisters der Gemeinde Heumen vorübergehend eine andere Unterkunft suchen. Nachdem am 28. Juli 2025 das Tor des Hauses mit einer automatischen Waffe beschossen wurde, wurden in der Straße Polizeikameras aufgestellt.

Puppen als Attrappen: Hausbewohner täuschen Wachschutz vor

Mehrere Anwohner berichten, was anschließend geschah. „Nachdem die Polizeikameras entfernt worden waren, stellten die Bewohner des Hauses jeden Abend ein kleines Auto einer Sicherheitsfirma vor ihre Tür. Nur: Darin saß eine Puppe. Eine bekleidete Puppe. Damit es so aussah, als säße ein echter Sicherheitsmitarbeiter darin. Jeden Morgen wurde das Auto wieder weggefahren, jeden Abend war es wieder da.“

Die Polizei befragte die Anwohner.
Die Polizei befragte die Anwohner.© AFP | Rob Engelaar

In den vergangenen Nächten stand jedoch tatsächlich ein echter Wachmann vor der Tür: ein 51-jähriger Mann aus Wijchen. „Es ist schrecklich, dass nun ein unschuldiger Mann zum Opfer geworden ist“, sagt eine Anwohnerin mit Tränen in den Augen.

Großeinsatz in Overasselt: Polizei nimmt mehrere Verdächtige fest

Während am Dienstag den ganzen Tag über Hubschrauber über Overasselt und Umgebung kreisen und Polizisten in kugelsicheren Westen hin und her fahren, kommt es im Laufe des Tages zu zahlreichen Festnahmen. An mehreren Orten in Overasselt und weit darüber hinaus.

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Verdächtige flüchten in ein Maisfeld. Die Polizei gibt Warnschüsse ab. Es werden Rauchbomben geworfen. Es ist eine surrealistische Situation. Wildwest-Szenen in einem kleinen Dorf in Gelderland. Am Abend durchkämmt die Polizei das Umland von Overasselt mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei. In der Straße, in der sich die Schießerei ereignet hat, sind zu diesem Zeitpunkt immer noch viele schwer bewaffnete Polizisten im Einsatz.

Anwohner fordern Umsiedlung nach Schüssen und Festnahmen

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Zwei Polizisten, die am frühen Dienstagmorgen bei der Schießerei verletzt wurden, schweben laut Polizei nicht in Lebensgefahr. Erfreulich ist auch die hohe Zahl der Festnahmen: 34, so die Polizei am Dienstagnachmittag.

Die Bewohner dieses Hauses können hier nicht weiter wohnen bleiben. Die Gefahr ist zu groß, sie müssen endgültig wegziehen

Ein Nachbar, aus Overasselt.

Aber die Angst im Dorf ist allgegenwärtig, egal mit wem man spricht. Das muss aufhören. „Die Bewohner dieses Hauses können hier nicht weiter wohnen bleiben. Die Gefahr ist zu groß, sie müssen endgültig wegziehen“, sagt ein Nachbar.

Angst vor Anschlägen: Bewohner fühlen sich im Dorf nicht mehr sicher

Diese Meinung hört man an diesem Dienstag oft. Ein Anwohner bestätigt, dass kürzlich ein Nachbar aus Angst vor einem weiteren Anschlag weggezogen ist. Diese Angst war berechtigt, wie sich nun herausstellt.

Im örtlichen Plus-Supermarkt kann man niemanden treffen, ohne dass das Gespräch darauf kommt, erzählt eine Anwohnerin. Auch Ton Niessing aus Overasselt kommt mit einem nach dem anderen ins Gespräch. „Das macht ein Dorf wie dieses doch unsicher“, sagt er. „Hier gab es bereits mehr Vorfälle als in einer Kleinstadt in Amerika.“

Auch Knallgeräusche von einem weiteren Haus zu hören

Mit seinem Unternehmen hat er viele Kunden aus dem ganzen Land. „Alle haben mich besorgt gefragt, ob sie heute überhaupt kommen könnten“, sagt er. Im Supermarkt herrscht wieder gute Laune, während sich am Morgen noch so mancher aus Angst nicht hinausgetraut hatte. Kinder gingen nicht zur Schule. „Es war wirklich still auf der Straße“, berichten mehrere Anwohner.

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So war es auch an der Honingklaver, ein Stück weiter. Hier wohnt ein Familienmitglied der Bewohner des streng bewachten Hauses. Und auch hier waren in der Nacht von Montag auf Dienstag die unbekannten Männer. Gegen halb vier, eine halbe Stunde bevor die Schießerei begann, waren laute Knalle in der Nähe des Hauses zu hören. Was genau geschah, ist unklar. Aber alle sind sich sicher: Das hat mit der Schießerei am Ewijkseweg zu tun.

Nachbarn fürchten weitere Eskalation nach Polizeieinsatz im Dorf

Am Dienstagmorgen ist zu sehen, dass die Tür stark beschädigt ist. Die Türklinke ist abgerissen. Polizisten in kugelsicheren Westen führen eine Nachbarschaftsbefragung durch. Ein paar Häuser weiter ist ein Fensterputzer bei der Arbeit. Auch er ruft, was alle Menschen hier laut sagen: „So kann es nicht weitergehen.“

Die Familie von „Fort Knox“ wurde bereits zuvor vorübergehend aus ihrem Haus vertrieben. Der Fensterputzer geht davon aus, dass dies noch einmal passieren wird. „Es kann doch nicht sein, dass sie diese Leute einfach wieder dorthin zurückkehren lassen.“ Sollte das passieren, befürchten die Anwohner das Schlimmste. „Das zeigt doch, dass das, was mit diesem Mann los ist, noch lange nicht vorbei ist“, sagt eine Frau aus dem Dorf.

Dieser Text wurde vom Kooperationspartner De Gelderlander übernommen.